2. Reutlinger Rückwärtschallenge am 17.07.2019 im Dietwegstadion


Rückwärts-Challenge
Rückwärts-Challenge
Boah, das ziiiieht sich. 400 Meter, das hörte sich an wie Klacks. Wenn ich die Strecke schwimmen kann, dann kann ich sie doch wohl auch laufen, dachte ich. Auch rückwärts.
»Einfach mal ausprobieren!«, hatte die Interessengemeinschaft Laufen Reutlingen (IGL) zum Mitmachen bei ihrer zweiten Reutlinger Rückwärts-Challenge eingeladen.

Gut zwei Dutzend Männer und Frauen jeden Alters – so viele sind es wohl auch an gewöhnlichen Trainingstagen – stehen also am Mittwochabend auf der Bahn des Dietwegsportplatzes in den Startlöchern. Für sie ist der Sprint im Rückwärtsgang aber keineswegs so verrückt wie für mich. »Das gehört zum Lauf-ABC, das wir jeden Mittwoch absolvieren«, verrät Joachim Sabieraj, der das kleine Event organisiert hatte.
»Beim Rückwärtslaufensind Technik undKondition gefragt«
Und jetzt laufen wir – wobei hinten auf einmal vorne ist. Natürlich nach ausführlichem Aufwärmen – bestehend aus seitwärts laufen, vorwärts laufen, in großen Schritten laufen, auf Zehenspitzen laufen und auf den Fersen, auf der Innen- und Außenkante der Füße.

Eine der Teilnehmerinnen gibt den Startschuss. Die elf Frauen treten in zwei Gruppen an, damit jede eine vorgezeichnete Bahn für sich hat. Das hilft beim Rückwärtslaufen, um nicht die Orientierung zu verlieren, ohne ständig den Kopf nach hinten drehen zu müssen. Die ersten 100 Meter – geht doch! Auch wenn ich beobachten muss, dass meine Bahnnachbarin den Dreh irgendwie besser raus hat und ganz lässig an mir vorbeizieht.
»Beim Rückwärtslaufen ist beides gefragt: Technik und Kondition«, erklärt Martin, der später mit der besten Zeit als Sieger aus dem Wettkampf hervorgehen wird.
»Verkehrt herum zu laufen, kann eine ganz besondere Körpererfahrung sein und ist eine Alternative oder Abwechslung zum normalen Laufsport oder anderen Sportarten. Es regt das Gehirn an, fördert die Koordination und den Gleichgewichtssinn und trainiert andere Muskeln als das normale Laufen«, ergänzt Joachim Sabieraj.

Die anderen Muskeln spüre ich ab der Hälfte der Runde. Ab 300 Meter werden die Oberschenkel schwer. Und allmählich komme ich ins Schnaufen. Irgendwo hinten feuern Zuschauer die Laufkameraden, die schon in der Zielgeraden sind. »Noch 50 Meter, du schaffst das!«
Okay, für mehr Schnelligkeit reichen die Kraftreserven nicht mehr aus. Und bei dieser ungewöhnlichen Bewegung jetzt noch in der B-Note mit Haltung punkten zu wollen – geschenkt. Im Ziel komme ich beim Abbremsen leicht ins Taumeln. Manche meiner Mitstreiter berichten sogar von ordentlichem Schwindelgefühl: »Nach dem Laufen muss man aufpassen, dass man nicht hinfällt«, sagt eine Läuferin.

Gute Laune sei mitzubringen, hatte es in der Einladung geheißen. Der Rückwärtslauf sei eine Gaudi – aber am Ende zählen eben doch auch Sekunden und Zehntelsekunden. Alagie ist mit 2:26,31 Minuten der Schnellste. »Vor vier Jahren habe ich 3:51 gebraucht«, erzählt Siegrid (63). Jetzt ist sie nach nur 3:26 über die Ziellinie gelaufen. Also gibt’s auch für mich noch Hoffnung, mein Ergebnis von 3:31 das nächste Mal zu toppen.

»Ich bin zum ersten Mal dabei. Ich dachte, das ist mal etwas anderes«, sagt der Sieger, der einer der 208 Mitglieder der Reutlinger Laufgemeinschaft ist. Ihm falle es in der Gruppe leichter, »meinen inneren Schweinehund zu überwinden«. Und er sei dankbar, dass er über die IGL viele neue Laufstrecken im Wasenwald kennengelernt hat.

Vom Laufen als effizienter Sportart schwärmt Peter Rall, Vorstandsmitglied der IGL: »Das Tolle am Laufen ist, dass man Ausdauer bekommt, was für ein Rundum-Wohlbefinden sorgt. Man kann sich mit vergleichsweise geringem Zeitaufwand eine gute Grundfitness aneignen.« Weiterer Vorteil: Laufen kann man immer und überall. Peter Rall selbst joggt seit 55 Jahren.

Zu den Lauftrainings der IGL sind Gäste stets willkommen. Im Sommer ist jeden Mittwoch Training auf dem Sportplatz bei der Dietweghalle angesagt. Und dreimal wöchentlich sind Lauftreffs in Gruppen unterschiedlicher Niveaus, oft mit Betreuer. Manche der IGLer trainieren für Wettkämpfe – vom Zehn-Kilometer-Lauf über Halbmarathon und Marathon bis zum Ultramarathon, der mehrere Tage dauern kann. »Es kommen Menschen jeden Alters«, sagt Peter Rall, wobei das Durschnittsalter bei circa 50 Jahren liegt. Weitere Informationen zur IGL gibt es online. (GEA)
www.igl-reutlingen.de
Direkter Link zum Bericht im GEA vom 19.07.2019